[Artikel im Puzzle, der Stadtteilzeitung, Ausgabe Nov 2008-Feb 2009] Neues von den Laubfröschen
Der Waldkindergarten „Die
Laubfrösche“, bei Kosbach in der Mönau, ist nichts neues. Einige
kennen das Areal von Spaziergängen, der Jogging- bzw. Walking-Runde
oder sind mit dem Fahrrad schon einmal daran vorbeigefahren.
Neu ist, das Konzept des
Waldkindergartens ist „salonfähig“ geworden. Mit dem neuen
Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) - der Leitfaden des
Sozialministeriums für alle Kindergärten in Bayern - ist die
Waldpädagogik in Verbindung mit dem themenbezogenen
Bildungsbereichen Mathematik, Umwelt, Naturwissenschaften und
Technik verankert worden. Doch nicht nur im Ministerium findet dieses
Konzept viel Zuspruch, nein, auch in der Praxis wird es immer
häufiger umgesetzt.
In den letzten fünf Jahren sind
insgesamt sechs neue Waldkindergärten in unserer Region gegründet
und staatlich anerkannt worden. Der neueste Zugang ist der von der
Gemeinde betriebene Waldkindergarten in Uttenreuth. Daran kann man
sehen, dass ein Waldkindergarten nicht so exotisch ist, wie
vielleicht einige meinen. Ein Unterschied zum Regelkindergarten liegt
in der Art, wie die anerkannten Erziehungsziele erreicht werden,
ansonsten unterliegt er den gleichen Regularien (eben dem BEP und dem
bayerischen Kinder Bildungs- und Betreuungsgesetz). Der BEP listet
unter anderem folgende zu erreichende Basiskompetenzen des Kindes
auf:
personale Kompetenzen, Kompetenzen zum
Handeln im sozialen Kontext, Kompetenzen der Lernmethodik und der
Umgang mit Veränderungen und Belastungen.
In einem Waldkindergarten erarbeiten
sich die Kinder - fast wie von selbst - viele wichtige Kompetenzen,
die auch der BEP fordert. Dazu ein Beispiel:
Erst kürzlich konnte man ein
Rollenspiel unter vier Kindern beobachten, bei dem die vier
„Archäologen“ Ausgrabungen machten. Sie fingen an, auf einem
Erdhügel zu graben. Die Steine, die sie dort ausgruben, wurden
sogleich als Teile eines Dinosauriergebisses identifiziert und an Ort
und Stelle zusammengesetzt. Dabei kam eine interessante Diskussion zu
Stande, wie denn Dinosaurierzähne beschaffen sein müssten, um sie
von „gewöhnlichen“ Steinen zu unterscheiden und welche Größe,
mit wie vielen Zähnen denn so ein Dino-Gebiss habe, besonders
natürlich das eines ausgewachsenen, Fleisch fressenden Dinos. Des
weiteren wurde gemeinsam über die beste Grab- und Bohrtechnik
gefachsimpelt.
Aus einfachen Ideen entwickeln sich
schnell reichhaltige und vielschichtige soziale Interaktionen, bei
der es vieles zu lernen gibt. Die kleinen Forscher haben Hypothesen
aufgestellt und gemeinsam deren Plausibilität überprüft, haben
„Zähne“ mehrfach abgezählt, haben sich ein gemeinsames Ziel
gesteckt und es auch umgesetzt.
Es ist dabei von Vorteil, dass kaum ein
Gegenstand im Wald nur einem einzelnen Zweck dient. Alles hängt mit
allem zusammen. So gibt es viel zu entdecken und zu erforschen.
Seit diesem Kindergartenjahr gibt es
nun einige Neuerungen im Waldkindergarten „Die Laubfrösche“.
Die bisherige Leitung und Gründerin
Katrin Kroder, wechselt zum Waldkindergarten in ihrem Wohnort
Streitberg und hat die Leitung an die erfahrene Erzieherin Elke
Dünninger abgegeben, die nach mehrjähriger Arbeit im
Naturkindergarten in Nürnberg, in ihrer Babypause auch schon kräftig
bei den Laubfröschen ausgeholfen hatte. Dies, und die Übernahme der
inzwischen mit hervorragenden Noten examinierten Erzieherin Michaela
Krauthöfer, die zuvor ihr Berufspraktikum bei den Laubfröschen
absolviert hat, garantieren sowohl den Kindern als auch den Eltern
ein hohes Maß an Kontinuität. Neu im Team ist die Erzieherin
Melanie Merboth, die eine Zusatzausbildung als Erlebnispädagogin
abgeschlossen hat. Die hohe pädagogische Qualität des Kindergartens
wird durch qualifizierte Fachkräfte und kleine Gruppenstärke
sichergestellt.
Neu ist weiterhin, dass ab diesem Jahr
auch ein integrativer Platz bereitgestellt wurde. Hierbei wird die
Förderung durch die Einbeziehung von Fachdiensten intensiviert.
Die Öffnungszeiten wurden auch
ausgeweitet und erstrecken sich nun von 7:30 Uhr bis 14:30 Uhr.
Weiter Infos und die detaillierte
Konzeption kann man auf der homepage unter www.die-laubfroesche.net
finden.
Jens Potschadtke |